Offener Brief
an die Präsidentin der ständerätlichen
Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-S), Frau Ständerätin
Erika Forster, und
an den Präsidenten der nationalrätlichen Kommission für soziale
Sicherheit und Gesundheit (SGK-N), Herrn Nationarat Pierre Triponez
français
Zürich, 22. März 2007
KVG-Revision: Jetzt
Prioritäten setzen
Sehr geehrte Frau Ständerätin
Forster
Sehr geehrter Herr Nationalrat Triponez
Die Schweizerische Gesellschaft für
Gesundheitspolitik SGGP verfolgt seit über 30 Jahren die Entwicklung des
Gesundheitswesens in der Schweiz und im Ausland. Die SGGP versteht sich als
Plattform für gesundheitspolitische Debatten. Sie fördert den Dialog
der verschiedenen Akteure und setzt sich für Reformen ein, welche die Qualität
des Gesundheitswesens in der ganzen Schweiz langfristig sichern. Die 1300 Einzel-
und Kollektivmitglieder der SGGP kommen aus allen Berufen und Branchen des Gesundheitswesens.
Seit einigen Jahren verfolgen wir
mit zunehmender Besorgnis die laufende Revision des Krankenversicherungsgesetzes.
Dringende Probleme wie etwa die inkohärente Spitalfinanzierung, die unsichere
Zukunft der Pflegefinanzierung und die anhaltende Risikoselektion durch die
Krankenversicherer warten seit Jahren auf eine Lösung, während die
Prämienbelastung der Bevölkerung ungebremst steigt. Zur Zeit macht
es den Anschein, dass Fortschritte im Interesse der Patientinnen und Patienten
und zur Verbesserung der Qualität im Gesundheitswesen mehr oder weniger
durch die verschiedenen Partikularinteressen blockiert sind.
Nach dem Scheitern der KVG-Revision
im Dezember 2003 entschied das Eidgenössische Departement des Innern, die
Revisionsschritte auf verschiedene Vorlagen aufzuteilen. Diese Vorgehensweise
ist angesichts der Summe der Einzelinteressen, welche die Revision schliesslich
zu Fall gebracht hatten, aus taktischen Gründen zu befürworten. Die
jetzige Vorgehensweise der zuständigen Kommissionen und der beiden Kammern
des Parlaments kommt aber eher einer Verzettelung gleich. Die verschiedenen
Vorlagen sind inhaltlich eng miteinander vernetzt und verlangen nach einem koordinierten
Vorgehen.
Als absolut prioritär betrachten
wir jedoch die Spitalfinanzierung und Finanzierung der Langzeitpflege.
Diese Vorlagen sollten rasch und koordiniert angepackt werden. Die Einführung
von Fallkostenpauschalen in den Spitälern hat direkte Auswirkungen auf
Spitex und Pflegeheime. Deshalb erachten wir einen einheitlichen, transparenten
und leistungsorientierten Finanzierungsschlüssel für den stationären
und ambulanten Bereich als wichtige Vorgaben.
Nach der deutlichen Ablehnung der Einheitskassen-Initiative bleiben die Risikoselektion
und der Risikoausgleich zwischen den Krankenversicherungen ein Thema, das nicht
auf die lange Bank geschoben werden sollte. Die Regelung weiterer Fragen wie
Managed Care und Vertragsfreiheit wird sonst weiterhin behindert.
Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit
und wünschen Ihnen für die weiteren Beratungen viel Standfestigkeit
und Energie. Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen
Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik
im Namen des Zentralvorstands
Elsbeth Wandeler Anna Sax
Vizepräsidentin Geschäftsführerin
Kopie:
Bundesrat Pascal Couchepin
BAG-Direktor Thomas Zeltner
Schweizerische Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren
Santésuisse
FMH
H+
SBK
Spitexverband
Curaviva
PräsidentInnen der Bundeshaus-Fraktionen
Büros National- und Ständerat
NZZ (Claudia Schoch)
Le Temps (Sylvie Arsever)
Beilage:
Prospekt SGGP