GPI Nr. 1/2003

 

 

 

 


 


Spitäler

Privatisierung öffentlicher Krankenhäuser und Partizipation der Beschäftigten
Ausgehend von den Erfahrungen ihrer Fallstudie arbeitet Ingeborg Löser-Priester in ihrem Buch (Mabuse-Verlag, ISBN 3-933050-67-7, 32 Euro) folgende verallgemeinerbare Aussagen heraus:

  • Demokratische Partizipation lässt sich nur aus einem Modernisierungskonzept begründen, das ökonomische, soziale und gesellschaftliche Kriterien gleichermassen umfasst.
  • Demokratische Partizipation hat im Krankenhaus keine Tradition: Ein organisierter Erfahrungsaustausch zwischen den an Verwaltungs- und Krankenhausmodernisierungsprozessen beteiligten betrieblichen und gewerkschaftlichen Akteuren könnte daher sinnvoll sein.
  • Rechtsformänderungs-Tarifverträge bieten keine Garantie für die Umsetzung demokratischer Partizipation und einen aus Beschäftigtensicht erfolgreich verlaufenden Modernisierungsprozess im Krankenhausbetrieb.
  • Die betriebsrats-initiierte Umsetzung von Beschäftigtenbeteiligung im Rahmen betrieblicher Modernisierungsprozesse erscheint als notwendige Voraussetzung zur Demokratisierung betrieblicher Machtverhältnisse; sie erfordert gleichermassen eine Konsens- und Konfliktfähigkeit der Betriebsräte.
  • Der Aufbau eines Beschäftigtenbeteiligungssystems und die damit verbundene Umsetzung demokratischer Partizipation läuft ohne aktive Unterstützung der Beschäftigten ins Leere.
  • Der Aufbau eines Beschäftigtenbeteiligungssystems im Rahmen betrieblicher Modernisierungsprozesse stellt die traditionellen Formen der Betriebs-/ Personalratsarbeit in Frage und könnte sich hierdurch als Partizipationsbarriere erweisen.
  • Betriebliche Modernisierungsprozesse führen nicht zwangsläufig zu einem Rollenwechsel des Betriebs-/ Personalrats im Sinne eines aktiven Co-Managements.
  • Eine veränderte Rollendefinition und Rollenerwartung der betrieblichen Akteure müsste mit einem Wandel der Interaktions-, Kommunikations- und Verhandlungsformen einhergehen; aber demokratische Partizipation ist ihrem Gehalt nach mehr als blosse Kommunikation.
  • Modernisierungsprozesse setzen Betriebsräte unter einen starken Anpassungsdruck, der zu Belastungskumulationen bei Betriebsratsmitgliedern führen und die Begleitung betrieblicher Modernisierungsprozesse sowie die Umsetzung demokratischer Partizipation erschweren oder gar verhindern kann.
  • Modernisierung im Krankenhaussektor stellt die Gewerkschaft hinsichtlich beratender, unterstützender und qualifizierender Aufgaben vor neue Anforderungen.
  • Trotz der Möglichkeit des Scheiterns oder sich abzeichnender Umsetzungsprobleme beschäftigtenorientierter Gestaltungselemente von Modernisierungsabkommen oder -tarifverträgen im Rahmen betrieblicher Reorganisationsprozesse sind derartige Regelungen prinzipiell sinnvoll.

Netzwerkmanagement in der Hotelindustrie
Spitäler geben der Hotellerie im Konkurrenzdruck teilweise einen höheren Stellenwert. Unter diesem Aspekt sei ein Blick über den Tellerrand auch in den GPI erlaubt. Marcus Frey (Haupt-Verlag, ISBN 3-258-06545-4, 68 Franken) hat in seiner Arbeit u.a. vier Szenarien für die Hotellerie entwickelt, die den meisten Spitälern mit Kooperationsabsichten nicht ganz unbekannt sein dürften: Verdrängung, Konversion, Individualisierung sowie Kooperation.

Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 1/2003.