Second Opinion - Überblick und
Möglichkeiten der ärztlichen Zweitmeinung dank Internet-Technologie
Die Second Opinion ist heute in aller
Leute Munde: Patienten wie Krankenkassen, aber auch viele Ärzte und Gesundheitsökonomen
sehen sie als wertvolles Instrument, um Diagnosen mit allfälligen therapeutischen
Konsequenzen zu überprüfen. Das Einholen von Zweitmeinungen ist in vielen Fällen
sowohl medizinisch wie auch ökonomisch betrachtet sinnvoll. Trotzdem darf man
die Kehrseite der Second Opinion nicht unberücksichtigt lassen. Bislang gibt
es erst wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur Second Opinion. Die systematische
Forschung hat in diesem Bereich erst vor wenigen Jahren begonnen. Eine wichtige
prospektive Studie wurde 1994-1996 in der Schweiz durchgeführt und 1997 publiziert
(Schriftenreihe der SGGP Nr. 56).
Seit dieser Zeit bieten vermehrt
einige Schweizer Krankenversicherer die Second Opinion Ihren Patienten an. Weltweit
gesehen und speziell in den USA ist die Second Opinion vor allem für den zusatzversicherten
Patienten eine Möglichkeit, sich doppelt abzusichern. An der Mayo-Clinic in
Jacksonville (Florida) haben wir das Thema forschungsmässig aufgegriffen und
sind daran, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Zentren in der ganzen Welt dank
Internet-Technologie und einem weltweiten Expertennetz eine neue Möglichkeit
der ärztlichen Zweitmeinung zu etablieren. Unsere Untersuchungen haben ergeben,
dass der Begriff Second Opinion von verschiedenen Betroffenen verschieden verstanden
und benutzt wird.
Aus diesem Grund haben wir eine neue
Kategorisierung der Second Opinion eingeführt. Sie beschreibt den Begriff im
weiteren Sinn und beinhaltet auch die neuen Möglichkeiten der Internet-Technologie:
- Die ärztlich koordinierte Second
Opinion
1.1. Die klassische Form der Second
Opinion
1.2. Die computergestützte Form
der Second Opinion
- Die ärztliche unkoordinierte
Second Opinion
2.1. Die offen kommunizierte Form: Information des Patienten an den Arzt,
dass er noch zu einem anderen Arzt gehen möchte. Primär erfolgt jedoch kein
Datentransfer, da Adressat unbekannt.
2.2. Die geheime Form: Der Patient sucht einen anderen Arzt auf, ohne vorgängig
zu informieren und ohne Datentransfer.
2.3. Die unnütze Form: Der Patient sucht wegen einer Bagatelle und ungenügender
Information einen anderen Arzt auf ohne Bekanntgabe und ohne Datentransfer
2.4. Benutzung eines Call-Centers: Patienten rufen in den neu eingerichteten
Call-Centers an und erhalten eine telefonische Zweitmeinung eines Arztes,
der allerdings in den meisten Fällen im Bereich der spezifischen Anfrage nicht
spezialisiert ist. Kein Datentransfer möglich.
2.5. Benutzung eines ärztlichen E-Mail Service: Patienten schreiben E-Mails
mit spezifischen Anfragen bzw. verlangen Zweit- meinungen von definierten
Ärzten oder Ärztegruppen.
- Die nichtärztliche Second Opinion
3.1. Die Second Opinion aufgrund des Selbststudiums von Informationen aus
Zeitschriften
3.2. Die Second Opinion aufgrund des Selbststudiums von Informationen aus
dem Internet
3.3. Die Second Opinion aufgrund der Kommunikation mit Bekannten und Freunden
Leider kommt es in der Praxis in
vielen Fällen nicht zu einer ärztlich koordinierten Second Opinion, bei welcher
die vollständigen Informationen von Arzt zu Arzt übertragen werden, um eine
Zweitmeinung möglichst effektiv zu machen. Vielmehr erfolgt in den meisten Fällen
eine unkoordinierte Zweitmeinung. Unsere Befragungen haben auch ergeben, dass
der nichtärztlichen Second Opinion eine immer grössere Bedeutung zukommt. Die
Information aus dem Internet, das in den seltensten Fällen ein Peer-Review hat,
wird immer wichtiger. Die ärztliche koordinierte Second Opinion ist sicher die
beste Form. Bei der klassischen Form entstehen jedoch dadurch recht grosse Umtriebe
und Kosten und es vergeht viel Zeit, bis der Patient seinen Entschluss fassen
kann.
Aus diesem Grund haben wir eine neue
zukunftsorientierte Form mit Internet-Technologie entwickelt und bauen diese
nun weiter aus. Die in der Schweiz und den USA gegründete Virtual Academy of
Medicine - HelpDocNet hat ein weltweites Netz von klinisch sehr erfahrenen und
akademisch hochrangigen Experten etabliert. Das erste medizinische Gebiet, das
bis jetzt bearbeitet wurde ist "Women's Health". Braucht ein Arzt eine schnelle
und vor allem äusserst kompetente Second Opinion oder ein Consulting, so wird
er auf dem Web den Dienst der Virtual Academy of Medicine - HelpDocNet benützen
können und erhält innerhalb von 48 Stunden die nötigen Informationen. Die Angaben
des Patienten muss er anonym und in der vorgegebenen Weise eingeben. Er kann
gleichzeitig ein multimediales On-Line-Textbuch benützen mit Schlüsselreferenzen
und Links. Alle Informationen unterliegen einem strengen Peer-Review des Editorial
Boards analog einer medizinischen Zeitschrift. Der Dienst wird anfangs 2001
weltweit zur Verfügung stehen.
PD Dr. med. Ossi R. Köchli, Basel
(okoechli@aol.com)
The Virtual Academy of Medicine - HelpDocNet
Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen"
(GPI), Nr. 4/2000.