5 Fragen an Anna Sax, neue Zentralsekretärin der SGGP
1. Anna Sax, wer sind Sie?
Wie alle Leute bin ich vieles gleichzeitig: Sportlerin, Romanleserin, Mitglied
in mindestens 10 Vereinen, glücklich verheiratet und 6-fache Tante. Ich
habe auf dem zweiten Bildungsweg Volkswirtschaft studiert und arbeite seit 15
Jahren in Nonprofit-Organisationen zu gesundheitspolitischen Themen. Das Nachdiplomstudium
"Management im Gesundheitswesen" verhalf mir zu vertieftem Wissen
über Führung und Gesundheitsökonomie und zum Titel "Master
of Health Administration". Inzwischen bin ich 45 Jahre alt und die Berufsbezeichnung
"Nonprofit-Ökonomin" kommt meinem Selbstverständnis am nächsten.
2. Sie übernehmen am 1. August 2004 die Leitung des SGGP-Zentralsekretariats.
Was hat Sie überhaupt dazu bewogen, für diese Funktion zu kandidieren?
Ich kenne die SGGP seit vielen Jahren und bin vom Potenzial dieser Organisation
als Ideengeberin, Lobbyistin, Wissensträgerin und Mittlerin überzeugt.
Die Aufgabe interessiert mich, weil ich es faszinierend finde, in einem interdisziplinären
Rahmen an politischen Lösungen zu arbeiten. Durch meine berufliche Erfahrung
und Weiterbildung konnte ich Wissen aufbauen und Netze knüpfen, von denen
hoffentlich die SGGP profitieren wird.
3. Erstmals in der Geschichte der SGGP wird eine Frau Zentralsekretärin.
Und mit der Wahl von Frau Nationalrätin Christine Egerszegi-Obrist ist
auch erstmals eine Frau Präsidentin der SGGP geworden. Glauben Sie, dass
diese beiden Gegebenheiten etwas Grundsätzliches bei den SGGP-Aktivitäten
verändern werden?
Mir ist nicht aufgefallen, dass der langjährige Zentralsekretär Gerhard
Kocher oder der bisherige Präsident Jost Gross eine spezifisch männliche
Gesundheitspolitik verfolgt hätten. Im Ernst: Eine neue Führungscrew
bringt immer Veränderungen im Stil und im Auftritt mit sich, das wird bei
der SGGP nicht anders sein. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Frau Egerszegi,
weil ich sie als ehrliche, engagierte Politikerin und als integre Persönlichkeit
wahrnehme. Es mag sein, dass sich einige Fragen aus Frauenperspektive anders
stellen - ich denke dabei z.B. an die Entwicklung der Gesundheitsberufe. Letztlich
ist die zukünftige Ausrichtung der SGGP-Aktivitäten aber eine Frage
der politischen und gesellschaftlichen Relevanz der Themen und keine Geschlechterfrage.
4. Wenn Sie im schweizerischen Gesundheitswesen drei Dinge eigenmächtig
verändern könnten, was würden Sie tun?
Erstens würde ich den Begriff "Kostenexplosion" streichen, zweitens
einen Investitionsplan erstellen, um das Wachstum der Gesundheitsausgaben in
sinnvolle Bahnen zu lenken und drittens ein sozial ausgewogeneres Finanzierungsmodell
einführen.
5. Wenn Sie die Gesundheitspolitik in der Schweiz ansehen, was gefällt
Ihnen, was missfällt Ihnen?
Mir gefällt die engagierte, von verschiedensten politischen und wirtschaftlichen
Interessengruppen und einem grossen Teil der Bevölkerung mit getragene
Debatte um die zukünftige Ausrichtung unseres Gesundheitswesens, weil darin
die Vielfalt und Komplexität der Fragen rund um Gesundheit und medizinischen
Fortschritt zum Ausdruck kommt. Und die gleiche Debatte missfällt mir manchmal,
weil so oft wirtschaftliche Sonderinteressen im Vordergrund stehen und den Blick
auf Lösungen im Interesse der Allgemeinheit verstellen.
Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen"
(GPI), Nr. 2/2004.