GPI Nr. 4/2001

 

 

 

 


 


Leitartikel: Wünsche an das Pflegepersonal (Christine Roth, Direktorin Universitätsspital Zürich)

Im UniversitätsSpital Zürich haben wir kürzlich eine Befragung durchgeführt, mit welcher wir die Zufriedenheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren wollten. Erfreulich war dabei unter anderem das Resultat, dass die Arbeitstätigkeit als verantwortungsvoll angegeben und als so interessant eingestuft wurde, dass das USZ als attraktiver Arbeitgeber gilt. Noch erfreulicher war, dass die Antwort für alle Berufsgruppen gleich lautete.

Im Gegenzug stellte sich heraus, dass eine grosse Unzufriedenheit bestand bezüglich Entlöhnung. Diese Antwort kam vor allem bei den Pflegenden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in medizin-technischen Berufen tätig sind. Erste Verbesserungen konnten dadurch erzielt werden, dass das Verwaltungsgericht entschieden hat, die Löhne dieser Berufsgruppen auf Mitte 2001 deutlich anzuheben. Die Situation konnte somit - zumindest vorübergehend - entschärft werden. Trotzdem bereitet mir die Zukunft einige Sorgen.

Sorgen mache ich mir nicht in erster Linie deshalb, weil neu der schwarze Peter bezüglich Kostensteigerung den Pflegenden zugeschoben wird. Nein, vielmehr mache ich mir Gedanken über unseren Nachwuchs in diesen Berufen. Woran liegt es, dass es so schwierig ist, junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern? Sind es die hohen Anforderungen an den schulischen Rucksack? Sind es die Ausbildungsdauer, die Struktur der Ausbildung, die bisher mangelnde Durchlässigkeit? Oder liegen die Gründe anderswo? Ist das Berufsbild als solches nicht attraktiv? Fehlt es an der gesellschaftlichen Anerkennung? Fragen, die ich nicht ohne weiteres beantworten kann. Einen Lösungsansatz kann ich mir hingegen sehr gut vorstellen.

Von Seiten der Spitäler wünsche ich mir ein hohes Engagement für die Bildung im Allgemeinen und für die Ausbildung in Pflegeberufen im Speziellen, basierend auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den Spitälern. Unabhängig davon, was in den Schulen passiert, müssen in den Spitälern die Aufgaben der Pflegenden gründlich analysiert und hinterfragt werden. Anschliessend muss klar und eindeutig definiert werden, welche Aufgaben einzig von den Pflegenden wahrgenommen und welche Aufgaben an andere Berufsgruppen delegiert werden können. Dann dürfen wir auch nicht vergessen zu prüfen, wie die Ressourcen der Patientin, des Patienten miteinbezogen werden und welche Rolle die Angehörigen im Pflegeprozess übernehmen können, sollen oder müssen. In die Überlegungen muss auch einfliessen, mit welchen Ausbildungsniveaus welche Aufgaben und Tätigkeiten erbracht werden können.

Ich wünsche mir Pflegende, die verantwortungsbewusst mitdenken und so dazu beitragen, dass die Spitäler vor einem Mangel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser so wichtigen Berufsgruppe bewahrt werden. Dazu braucht es Mut und kreative, vielleicht auch unkonventionelle Ideen. Diese fallen nicht vom Himmel, sondern müssen gemeinsam erarbeitet werden - und dazu wünsche ich uns allen die notwendige Kraft.

Christiane Roth


GPI Nr. 4/2001