5 Fragen an wen ? - 5 Questions à qui ?
In den letzten sieben Jahren habe ich in der GPI auf dieser Seite jeweils einer Person fünf Fragen stellen dürfen. Die erste (Wer sind Sie?) und die letzte (Wenn Sie die Gesundheitspolitik in der Schweiz ansehen: was gefällt Ihnen, was missfällt Ihnen?) waren dabei immer die gleiche. Unten stehend finden Sie ein paar Antworten aus den letzten sieben Jahren. Erraten Sie, wer die Aussage tätigte? Die Lösungen finden Sie unter der Rubrik «Und zum Schluss noch dies…».
Antwort 1:
Wie gesagt habe ich grosse Mühe mit Interessenskonflikten, die teilweise allzu leicht hingenommen werden und bei denen der persönliche Vorteil die Hauptmotivation für jegliches Handeln ist. Als (…) werde ich weiterhin engagiert gegen solche Situationen ankämpfen.
Was ich hingegen sehr schätze, sind die Anstrengungen all jener, die aufrichtig versuchen, die näheren Umstände des Gesundheitssystems zu verstehen, um es dann in einer Art und Weise weiterzuentwickeln, bei der alle Beteiligten respektiert werden. Bei diesen Beteiligten handelt es sich immer um Personen aus allen "Lagern“, also sowohl um die Patientinnen und Patienten als auch um das medizinische Personal und die Verwalter des Systems.
Alle diese Akteure der Gesundheitspolitik müssen mit all ihren Besonderheiten respektiert werden, damit die Vielfalt und Flexibilität unseres Systems bewahrt werden kann.
Antwort 2:
Es wird viel gejammert über das System. Es ist ein Leiden auf hohem Niveau. Ich bin insgesamt glücklich, in so einem System eingebettet sein zu dürfen. Nicht mal so selbstverständlich. Insgesamt wünschte ich mir, dass die Akteure etwas mehr über ihren Tellerrand (sprich eigene Interessen) schauen würden. Ein Aspekt der Zukunft ist die Vernetzung. Wer sich als einzelnen Akteur sieht, dessen Tage sind gezählt. Hier liegt ein ungeheures Potenzial für Verbesserung und Innovation. Und dann stört mich insbesondere die Abhängigkeit unserer Bundesparlamentarier. Es ist schädlich für die Weiterentwicklung der Politik, dass die führenden Gesundheitspolitiker auf Bundesebene diesen Titel nicht verdienen, sondern entweder Pharmapolitiker, Kassenpolitiker oder Spitalpolitiker sind. Diese Personen sind als Volksvertreter gewählt. Ich möchte hier einigen Politikern ins Gewissen reden. Die Interessen sind durch die Verbände schon genug gewahrt. Die Politiker sollten sich am Gesamtwohl und Gesamtnutzen des Gesundheitswesens für ihre Wähler orientieren.
Antwort 3:
Positiv ist, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes Zugang zu medizinischen Grundleistungen haben und ein hohes Vertrauen in die Medizin und unsere Gesundheitsversorgung besteht.
Negativ ist, wieviel Macht den Krankenkassen zugestanden wird und teilweise auch der Kantönligeist. Das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern ist längst nicht mehr paritätisch, wie das eigentlich gewollt ist. Erschwerend aus Sicht der Leistungserbringer kommt hinzu, dass das BAG seine Aufsichtspflicht zu wenig wahr nimmt.
Antwort 4:
Beginnen wir mit der zweiten Frage: Es ist bedauerlich, dass die Schweiz noch immer keine Gesundheitspolitik hat. Offenbar beschäftigen sich Politiker nicht zuletzt der Medienaufmerksamkeit zuliebe vorzugsweise mit wenig zielführenden und aus der Hüfte geschossenen ad-hoc-Massnahmen, statt mit langfristigen Überlegungen zu unserem Gesundheitswesen. Die Verantwortung für das Gesundheitswesen ist föderalistisch aufgeteilt, was an sich dem Charakter der Schweiz entspricht, nationale Strategien jedoch massiv erschwert. Entsprechend wird denn auch mit Teilkonzepten versucht, das System zu optimieren, was jedoch sehr häufig kläglich scheitert. Zunehmend missfällt mir die Pflästerlipolitik, die immer mehr zu einem Patchwork-Gesundheitswesen führt. Von einer stringenten Gesundheitspolitik kann keine Rede mehr sein. Schliesslich missfällt mir der zunehmende Trend zu Billigstmedizin, die letztlich zu einer Verteuerung des Gesundheitswesens und zu volkswirtschaftlichen Belastungen führt, und der zunehmende Trend zur Planwirtschaft, um vom strategischen Unvermögen von Politikern abzulenken. Was mir gefällt: Dass im schweizerischen Gesundheitswesen – und dazu rechne ich die Pharma – die Mitarbeitenden trotz massiv erschwerten Rahmenbedingungen noch immer bereit sind, im Interesse der Patienten Superleistungen zu erbringen. Die Politiker unterlassen es jedoch nicht, massiv an der Motivationsschraube zu drehen. Hoffentlich erkennen sie noch rechtzeitig die möglichen Konsequenzen ihres Denkens und Handelns.
Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 4/2009.