GPI Nr. 4/2006

 

 

 

 


 


Einzelne Länder - Divers Pays


Deutschland - Allemagne

Zur Geschichte der Krankenhausstadt Berlin-Buch
Horst-Peter Wolff und Arno Kalinich erzählen die Geschichte des etwa im Laufe eines Jahrhunderts im Norden Berlins, im Ostteil Buch des Stadtbezirks Pankow, errichteten einmaligen Komplexes von Pflege-, Behandlungs- und Forschungsstätten. Die ältesten Einrichtungen wurden in der Kaiserzeit nach Plänen Ludwig Hoffmanns angelegt und stehen deshalb unter Denkmalschutz. Gravierende soziale Umbrüche haben immer wieder ihre Strukturen und Funktionen verändert. Das begann mit der Revolution von 1918, wurde mit Einsetzen der Nazi-Diktatur fortgeführt, ging unter der Befreiung Berlins und unter seiner Spaltung weiter, erfuhr seine Prägung durch die Gesundheitspolitik der DDR und zuletzt durch "Abwicklungsprozesse" und Neubestimmungen nach der Wende und der Vereinigung Deutschlands. Die krankenhausgeschichtlichen Veränderungen bis zum Jahr 2005 wurden an Hand weniger, noch erhaltener Quellen akribisch festgehalten und werden dem Leser reich illustriert dargeboten (Mabuse-Verlag, ISBN 3-938304-42-1, 29.90 Euro).


Schweiz - Suisse

Kennzahlen der Schweizer Spitäler 2004
Das Bundesamt für Gesundheit hat im Rahmen seiner Reihe zu den Statistiken zur Krankenversicherung diese 286 Seiten umfassende Publikation herausgegeben. Sie zum Download zur Verfügung (www.bag.admin.ch/kv/statistik/d/index.htm). In der Publikation fehlen jene Betriebe, die anlässlich der Umfrage Ende des Jahres 2005 ihr Einverständnis zur Veröffentlichung der Angaben verweigert haben. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren bezeichnend für die Qualität der Argumentation schweizerischer Leistungserbringer: jene, die gut waren, getrauten sich kaum, sich selbst zu loben. Und jene, die schlecht abschnitten, verwendeten - teilweise unter dem Schutz von Verbänden - viel Energien darauf zu begründen, warum diese Statistik nicht stimmen kann. Dem GPI-Redaktor ist jedoch kein einziger sofort brauchbarer Vorschlag seitens der Kritiker bekannt, der zeigen könnte, wie man es besser machen könnte.

Medizinalberufegesetz MedBG
Boris Etter ist Verfasser dieses Buchs (Stämpfli Verlag, ISBN 3-7272-2534-3, 109 Franken). Es handelt von jenem Gesetz, das die Aus-, Weiter- und Fortbildung, die fachlichen und persönlichen Bewilligungsvoraussetzungen und die Berufspflichten der Medizinalpersonen in den Bereichen Humanmedizin, Zahnmedizin, Chiropraktik, Pharmazie und Veterinärmedizin regeln soll. Das MedBG hat auch Auswirkungen auf die Universitäten, auf die selbständige Ausübung der Medizinalberufe in der Schweiz und auf die kantonalen Gesundheitsgesetzgebungen. Der Kommentar erläutert die einzelnen Artikel des Gesetzes und geht dabei auf rechtliche und praktische Fragen ein. Er verweist auch auf kantonale Gesundheitsgesetzgebungen und den Zusammenhang mit anderen Gebieten des Bundesrechts, etwa dem per 1. Juli 2006 revidierten Binnenmarktgesetz. Eine Einführung in das MedBG und eine Darstellung von dessen Entstehungsgeschichte ergänzen die Kommentierung.

E-book "Basics zum Schweizer Gesundheits-System"
Mark Ita ist Verfasser dieses Kurzlehrbuchs, das namentlich "examensgestresste StudentInnen und termingehetzte Menschen, die trotzdem gerne die Übersicht halten, lieben" (Originalton der Versandmail vom 8. November 2006) als Zielpublikum nennt. Loggt man sich dann über die angegebene Web-Site www.gesundepolitik.ch ein, findet man jedoch einzig ein Inhaltsverzeichnis, das aufzeigt, dass dieses Dokument gut 40 Seiten umfasst. Was sich hinter den einzelnen Kapiteln versteckt, lässt sich nicht erahnen. Das Buch kann nur gekauft werden mit Direktüberweisung. Aus diesem Grund kann der GPI-Redaktor auch der Empfehlung des Autors in oben genannter Mail ("Prüfe das Angebot und - vor allem - empfehle es weiter") nicht folgen.

Kreuzverhör: Gesundheitskosten
Urs P. Gasche hat verschiedene seiner für das CSS-Versicherten-Magazin geführte Interviews im Orell Füssli Verlag veröffentlicht (ISBN 3-280-06078-8). Es befinden sich in diesem Buch Gespräche und Zitate von Gianfranco Domenighetti, Robert E. Leu, Pascal Couchepin, Fritz Britt, Karl W. Lauterbach, Thomas Zeltner, Doris Leuthard, Markus Dürr, Hans-Heinrich Brunner, Simonetta Sommaruga, Christoffel Brändli, Christiane Brunner und Willy Oggier.

Le droit social dans la pratique de l'entreprise
Bettina Kahil-Wolff und Rémy Wyler sind die Herausgeber dieses Buchs, das ausgewählte Fragestellungen zu dieser Thematik behandelt (Stämpfli-Verlag, ISBN 3-7272-2224-7, 64 Franken). Artikel geschrieben haben Ariane Morin, Thomas Geiser, Rémy Wyler, Jacques-André Schneider, Vincent Brulhart, Bettina Kahil-Wolff/ Carole Sonnenberg und Mirela Caçi.

Das behinderte Kind im schweizerischen Recht
Franziska Sprecher und Patrick Sutter haben dieses 349 Seiten umfassende Buch herausgegeben (Schulthess-Verlag, ISBN 3-7255-5214-2, 59 Franken). Ziel des Sammelbandes ist die ganzheitliche Darstellung der rechtlichen Situation des behinderten Kindes im schweizerischen Recht. Die Autorinnen und Autoren untersuchen die Rechtsposition des behinderten Kindes in Rechtsgebieten wie dem Verfassungs-, Zivil-, Verfahrens-, Straf-, Völker-, Sozialversicherungs- sowie dem Schul- und Ausbildungsrecht.

Einheitskasse oder verzerrter Wettbewerb?
Philipp Egli fasst in diesem Buch (Schulthess-Verlag, ISBN 3-7255-5225-8, 62 Franken) das Krankenversicherungsrecht als Teil des öffentlichen Wirtschaftsrechts auf. Diese bis heute wenig verfolgte Sichtweise trägt dazu bei, das Krankenversicherungsrecht besser in seinen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Kontext stellen zu können. Der Autor folgert, dass soziale Krankenversicherung und Zusatzversicherungsgeschäft umfassender voneinander zu trennen sind. Die Errichtung öffentlicher Kassen wird nach Auffassung des Autors wohl nötig werden. Dabei tritt die Einheitskasse als mögliche Lösung zur Umsetzung der wirtschaftsverfassungsrechtlichen Vorgaben auf den Plan. Ein solch weitgehender Eingriff ist nach Auffassung Eglis nur verhältnismässig, wenn andere, wettbewerbsfreundlichere Regelungen unter Beizug Privater nicht umsetzbar sind.


Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 4/2006.