GPI Nr. 3/2008

 

 

 

 


 


SGGP – SSPS


Tagungsbericht

Irchel-Tagung 2008

Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten am 21. August die SGGP-Weiterbildungstagung an der Universität Zürich-Irchel. Nachdem im Vorjahr verschiedene Leute den Wunsch geäussert hatten, Beispiele kennen zu lernen, wo vernetzte Versorgung in der Praxis bereits funktioniert, suchte und fand die SGGP sechs interessante Angebote und Projekte aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz. Drei Einführungsreferate stimmten die Teilnehmenden auf die Praxis-Workshops und die abschliessende Podiumsdiskussion ein.

Die österreichische Gesundheitsökonomin Maria M. Hofmarcher untersuchte im Auftrag der OECD, welche Zielsetzungen verschiedene Länder mit koordinierter Versorgung verfolgen, welche Voraussetzungen für ein Gelingen notwendig sind und wo Handlungsbedarf besteht. Es zeigte sich, dass die untersuchten OECD-Länder mit besserer Koordination in erster Linie eine Qualitätsverbesserung erreichen wollen, die wiederum am ehesten älteren und chronisch kranken Patientinnen und Patienten zu Gute kommt. Die Hauptschwierigkeit bestehe darin, Ressourcen und Bedürfnisse in Übereinstimmung zu bringen. Die Ökonomin forderte von der Politik, finanzielle Anreize so zu setzen, dass die richtigen Leistungen von den richtig qualifizierten Personen erbracht werden.
                                                                                                          
Aus Sicht der Pflege stellte Jasmin Blanc Bärtsch fest, dass professionelle Pflege selbstverständlich auf Netze baut. In Versorgungsnetzen sollte der Pflege daher eine zentrale Rolle zugewiesen werden. Die Pflegefachfrau und Beraterin forderte offene Systemgrenzen und eine Abkehr vom „Gärtchendenken“, dazu eine gute Portion Pragmatismus. Sie schlug einen Pool vor mit Geldern, die ausschliesslich für Koordinationsaufgaben reserviert sind.

Einen Höhepunkt setzte die Medizinprofessorin und SGGP-Vorstandsfrau Bettina Borisch mit ihrer scharfen Analyse des anhaltenden Trends zu Netzwerken. Sie zeigte zunächst die historische Entwicklung des Netzwerk-Begriffs auf und diagnostizierte in der Gegenwart eine inflationäre Verwendung des Wortes „Netzwerk“. Ein Netzwerk müsse bestimmte Anforderungen erfüllen: So brauche es gemeinsam festgelegte und messbare Ziele, eine formalisierte Zusammenarbeit, ständige Kommunikation und Leitung durch Koordination statt Direktion.

In den sechs Praxis-Workshops wurden vernetzte Versorgungsmodelle vorgestellt, die entweder im Aufbau sind oder bereits funktionieren. Präsentiert wurden Beispiele aus Basel, Zürich, Winterthur, Schaffhausen, der Region Höfe im Kanton Schwyz und 36 Gemeinden im Kanton Aargau. Die Workshops bildeten den Hauptteil der Tagung und boten Gelegenheit zur Diskussion und zum Kennenlernen möglicher Netzwerk-PartnerInnen.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion unter Leitung der SGGP-Geschäftsführerin Anna Sax waren sich Gemeinderat Jürg Baumberger, Kantonsrätin Barbara Bussmann, Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist, Seniorenrat Peter Seiler und Satésuisse-Direktor Stefan Kaufmann darin einig, dass das Gesundheitswesen davon profitiert, wenn Krankenversicherer, Politik und Leistungserbringer sich zusammenfinden und Versorgungsnetze mit finanziellen Anreizen gezielt fördern.

Sämtliche Präsentationen der Referate und Workshops können herunter geladen werden auf www.sggp.ch.

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Neue Rechtsgrundlage für Prävention und Gesundheitsförderung:

Stellungnahme der SGGP

Die Prävention und Gesundheitsförderung in der Schweiz braucht Stärkung, Koordination und breit abgestützte Gesundheitsziele. Der Bericht der Fachkommission PGF 2010 liefert eine gute Grundlage für ein Gesetz, das den Anforderungen einer zielorientierten, wirksamen und kosteneffektiven Präventions- und Gesundheits­förderungspolitik gerecht wird. Die SGGP unterstützt die Erarbeitung eines entsprechenden Rahmengesetzes durch den Bund.

Aus Sicht der SGGP muss ein Bundesgesetz für Prävention und Gesundheitsförderung folgende Anforderungen erfüllen:

  1. Das Gesetz ermöglicht die Entwicklung und Verankerung von nationalen Präventions- und Gesundheitsförderungszielen. An der Erarbeitung dieser Ziele werden Bund, Kantone und private Akteure beteiligt.

  2. Prävention und Gesundheitsförderung, die vom Bund und von den Kantonen durchgeführt oder unterstützt wird, orientiert sich an den nationalen Gesundheitsförderungs- und Präventionszielen. Sie konzentriert sich auf die wichtigsten Problemstellungen aus Public Health-Sicht. Ergänzt wird sie durch spezifische gesetzliche Grundlagen (wie z.B. Nichtraucherschutz, Betäubungsmittelgesetz, Lebens­mittelgesetz etc.).

  3. Die Gesundheitsstatistik und Gesundheitsberichterstattung wird entlang dieser Ziele ausgebaut. Rechtserlasse anderer Politikbereiche werden systematisch auf ihre Auswirkungen auf die Gesundheit überprüft.

  4. Die Vielzahl der staatlichen und privaten Aktivitäten im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung werden besser koordiniert. Regeln für die Überprüfung der Wirksamkeit, Kosteneffektivität und Nachhaltigkeit werden erstellt und die notwendigen Instrumente allen Akteuren zugänglich gemacht. Die Einhaltung dieser Regeln ist verbindlich für die öffentliche Unterstützung von Programmen und Aktivitäten.

  5. Eine nationale Agentur koordiniert und unterstützt Programme und Aktivitäten im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung.

  6. Die Finanzierung der Aktivitäten im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung erfolgt aus allgemeinen Steuermitteln, dem bestehenden KVG-Prämienzuschlag sowie zweckgebundenen Abgaben auf Alkohol, Tabak und anderen gesundheitsschädigenden Produkten (z.B. Fett, Zucker).

  7. Die privaten Akteure erhalten stärkere Anreize, mehr in die Prävention und Gesundheitsförderung zu investieren (z.B. Betriebe mittels Unfallversicherungsprämien). Die Kooperation zwischen staatlichen und privaten Akteuren und die entsprechend gemischte Finanzierung sind zu fördern.

Die SGGP wird in diesem Sinn Stellung beziehen in der Vernehmlassungsanwort zu einem neuen Bundesgestz über Prävention und Gesundheitsförderung.

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Nouvelle loi fédérale sur la prévention et la promotion de la santé:

Prise de position de la SSPS

La prévention et la promotion de la santé en Suisse doivent être renforcées, mieux coordonnées et s’appuyer sur des objectifs de santé largement acceptés. Le rapport de la commission d’experts « prévention et promotion de la santé 2010 » fournit les bases en vue de créer une loi répondant parfaitement aux besoins d’une politique de prévention mieux ciblée, plus efficace et plus efficiente compte tenu des coûts. La SSPS soutient les efforts en vue d’élaborer un tel cadre légal au niveau fédéral.

De l’avis de la SSPS, une nouvelle loi sur la prévention et la promotion de la santé doit répondre aux exigences suivantes:

  1. La loi permet de définir et d’ancrer des objectifs nationaux de prévention et de promotion de la santé. La Confédération, les cantons et les acteurs privés participent ensemble à ce processus.

  2. La prévention et la promotion de la santé mises en oeuvre ou soutenues par la Confédération et par les cantons se réfèrent à ces objectifs nationaux. Ces mesures se concentrent sur les principaux problèmes et les aborde du point de vue de la santé publique. Des lois spécifiques, concernant par exemple la protection contre la fumée passive, la problématique des stupéfiants ou les denrées alimentaires, viennent compléter la loi fédérale sur la prévention et la promotion de la santé.

  3. Les statistiques en matière de santé et un rapport national sur la santé seront établis en appui aux objectifs de santé. Les lois fédérales concernant d’autres domaines seront examinées systématiquement sous l’angle de leurs effets sur la santé de la population.

  4. La grande diversité des acteurs publics et privés dans le domaine de la prévention et de la promotion de la santé devront mieux coordonner leurs efforts. Des règles seront établies pour fixer des critères d’efficacité, d’économicité et de durabilité des résultats. Les instruments méthodologiques seront rendus accessibles à tous les acteurs concernés. Le respect de ces règles sera obligatoire pour accorder un soutien à des programmes et activités dans ce domaine.

  5. Une agence nationale sera chargée de la coordination et du soutien technique aux programmes et activités dans les domaines de la prévention et de la promotion de la santé.

  6. Le financement des activités de prévention et de promotion de la santé devra résulter des budgets ordinaires de la confédération et des cantons, des suppléments aux primes d’assurance maladie ainsi que de prélèvements spécifiques sur les ventes de tabac, d’alcool et d’autres produits dommageables pour la santé (par exemple les graisses et les sucres).

  7. Les acteurs privés pourront bénéficier de meilleures incitations à s’engager et à investir plus fortement pour la prévention et la promotion de la santé (comme c’est déjà le cas pour les primes d’assurance accident des entreprises). La coopération entre les acteurs publics et privés sera encouragée et des financements mixtes seront favorisés.

La SSPS prendra position lors de la procédure de consultation relative à la nouvelle loi fédérale sur la prévention et la promotion de la santé.

Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 3/2008.