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5 Fragen an Rolf Malk, Berater - 5 Questions à Rolf
Malk, consultant
1. Herr Malk, wer sind Sie?
Ich bin Geschäftsführer, Gründer und Mehrheitsaktionär der
Firma MALK MEDIZIN CONTROLLING AG sowie Gründer und Geschäftsführer
der Schweizerischen Gesellschaft für Medizincontrolling/SGfM.
Ursprünglich komme ich aus der Pflege als diplomierter Pflegefachmann mit
anschliessender Zusatzausbildung zum Operationspfleger. Nach meiner Kaderausbildung
habe ich in mehreren Spitälern in Deutschland und in der Schweiz Operationsabteilungen
und Notfallabteilungen geleitet, reorganisiert und umstrukturiert.
Im Jahr 2000/2001 absolvierte ich das "Höhere Wirtschaftsdiplom"
und bildete mich 2002 als Projektmanager weiter. Ab 2001 wechselte ich im selben
Spital von der Leitung der Operationsabteilung und Notfallstation in eine Stabsstelle,
welche direkt der Spitalleitung unterstellt war. Parallel zu den Projektleitungen
der Projekte Tarmed, LEP und APDRG (im Sinne einer kantonalen Globalbudgetierung)
arbeitete ich freiberuflich in einem Beratungsunternehmen in der Schweiz und
führte in vielen Spitälern in der Deutschschweiz Tarmed ein. 2003
wechselte ich in Festanstellung zum erwähnten Beratungsunternehmen und
war für die Produkte Tarmed und APDRG verantwortlich.
Im Frühjahr 2004 machte ich mich selbstständig mit der Firma Malk
Medizincontrolling, welche ich im Sommer 2005 in eine AG umwandelte.
Die Firma MALK MEDIZIN CONTROLLING AG zählt mittlerweile über 45 Kunden
(ausschliesslich Spitäler) in der Schweiz. Unsere Stärken in der Beratung
drehen sich rund um DRG, Tarmed, Analysen von Funktionsabteilungen und Prozessen,
welche auf allen Ebenen aus der Sicht der Medizin und Ökonomie (=> Medizincontrolling)
betrachtet und umgesetzt werden.
2. Sie sind ursprünglich OPS-Pfleger. Was hat Sie motiviert, in die
Beratung zu wechseln?
Nun - Im verwandten Sinne hat die Operationspflege weniger mit Pflege am Patienten
zu tun, als mit technischen und beratenden Fähigkeiten des operierenden
Arztes. Es gehört sehr viel organisatorisches Flair dazu, ebenso kommunikative
Fähigkeiten, Prozessverständnis und Controlling. Am Operationstisch
gehört neben vertieftem Wissen über Diagnosen, Therapien und Operationstechniken
auch die Fähigkeit dazu, dem operierenden Arzt als "Pufferzone und
Berater" zu dienen. In der OPS-Leitung muss man in der Lage sein, sämtliche
Ärzte gleich behandeln zu können und prozessorientiert zu handeln.
Die Finanzen in der Operationsabteilung gehören sehr restriktiv gesteuert
und mit der Verwaltung abgesprochen. Schliesslich gehört die Operationsabteilung
zu den "teuersten" Abteilungen eines Spitals.
Alles in Allem hat mich die Verbindung von Medizin und Ökonomie ab dem
ersten Tag in der Operationsabteilung sehr fasziniert. Nicht zuletzt deswegen
bin ich in die Beratung gewechselt.
3. Sie sind als Berater im Gesundheitswesen tätig und haben sich auf
DRG-Codierung, Medizincontrolling und OPS-Analysen spezialisiert. Hand aufs
Herz: Haben wir im Gesundheitswesen nicht zu viele Berater, die sich eine goldene
Nase verdienen wollen?
Die Frage ist schon nicht ganz von der Hand zu weisen.
Eine "goldene Nase" verdienen ist andererseits nicht ganz die Realität,
wenn man auf eine langfristige und ehrliche Unternehmens-Strategie Wert legt.
Das "schnelle Geld" macht man so ganz sicher nicht. Gut, wenn man
die Preise einzelner Unternehmen und Berater isoliert betrachtet, können
diese schon mal "erschreckend" sein. Berücksichtigen muss man
dabei aber auch, welchen Gegenwert oder "Return on Investment" man
dafür erhält. Die Beratungspreise müssen in einem privat-rechtlichen
Unternehmen ja auch die "kundenfernen" Tage (z.B. zur Weiterbildung
und Weiterentwicklung) und das "Backoffice" finanzieren, wovon der
Auftraggeber letztendlich ja auch profitiert.
Alles in allem bin ich nicht der Meinung, dass es zu viele Berater auf dem Schweizer
Markt hat. Gerade in unserem Bereich bestimmt im hohen Mass die Nachfrage das
Angebot. Auch selbstverständlich ist, dass externe Berater einen anderen
Blick auf die Problematiken der einzelnen Kunden haben. Frei nach dem alten
Sprichwort "der Prophet zählt nicht viel im eigenen Land" ist
dieser Effekt wohl der wichtigste Grund, einen Berater zu beauftragen. Aus meiner
Sicht ist es auch ein Qualitätsmerkmal eines Spitals, bei bestimmten Fragestellungen
eine externe Stellungnahme durch Berater einzuholen. Aber in der Tat, auch ich
staune mitunter, was der Beratermarkt anbietet und stelle mir durchaus dann
auch schon mal die Frage: "Und das braucht man wirklich?" Aber letztendlich
bin ich davon überzeugt, dass dies der Markt und die Kunden auf Dauer selbst
beantworten und sich dann in der Folge der Markt der Beratungsunternehmen von
selbst reguliert.
4. Sie kommen ursprünglich aus Deutschland. Haben Sie es im schweizerischen
Gesundheitswesen besonders schwer oder ist dies im Zusammenhang mit DRGs eher
ein Vorteil?
Ich bin jetzt seit 11 Jahren (1996) in der Schweiz und fühle mich gegenüber
vielen deutschen Kollegen schon etwas "helvetisiert". Insgesamt kann
ich sagen, dass ich in vielen elementaren Dingen "schweizerisch" denke,
sich jedoch meine deutsche Herkunft natürlich nicht verleugnen lässt.
In Anbetracht der jüngsten Diskussionen in der Schweizer Presse mag es
auch nicht verwundern, dass es für mein Unternehmen und mich nicht immer
einfach ist, ein "Deutscher" zu sein. Es gibt Situationen, in denen
man mit dieser Thematik konfrontiert wird. Klar ist auch, dass man über
Verbindungen leichter zu seinen Zielen kommt. Und "last, but not least"
ist es auch klar, dass man als Schweizer vielleicht auch mal gerne einen Schweizer
Berater bevorzugen könnte. Aber dies liegt in der Natur der Sache und man
muss diese Thematik nicht überbewerten. Wer sich an die schweizerischen
Gegebenheiten anpasst, das Land und die Menschen versteht, der hat auf Dauer
damit wohl weniger Probleme.
In Bezug auf das Gesundheitswesen, wo man doch mittlerweile recht viele Deutsche
trifft - und insbesondere in Bezug auf DRG kann man als Deutscher durchaus Vorteile
haben. Ob nun die politische Wahl des deutschen Systems, das German DRG für
das neue Swiss DRG dies weiter begünstigen wird, bleibt insgesamt abzuwarten.
Vor 12 Jahren hat man in Deutschland mit den ersten Evaluationen für ein
solches DRG-System begonnen und die Erfassung von ICD-Diagnosen und Operationscodes
voran getrieben. Davon konnte ich schon damals profitieren.
Auch die Wirtschaftlichkeits- Eruierungen konnte ich vor 13 Jahren bereits in
eine Kader-Fallarbeit einfliessen lassen.
Die Verbindungen in deutsche Krankenhäuser und zu führenden Persönlichkeiten
sind bestehen geblieben, sodass man in diesem Fall auch für seine Kunden
daraus Vorteile ziehen kann.
Als Fazit kann ich die Frage so beantworten, dass man es als Deutscher vielleicht
etwas schwerer in der Schweiz hat, dies jedoch im Zusammenhang mit DRGs auch
von Vorteilen geprägt sein kann.
5. Wenn Sie die Gesundheitspolitik in der Schweiz ansehen: Was gefällt
Ihnen, was missfällt Ihnen?
Als positiv betrachte ich, dass das schweizerische Parlament kurz vor der Verabschiedung
der Gesetzesvorlage zu einer leistungsorientierten Spitalfinanzierung steht,
die auf einer gesamtschweizerisch einheitlichen Struktur basieren soll. Als
gebürtiger Deutscher kann ich schon nicht leugnen, dass diese Struktur
auf der Basis der deutschen DRGs, von Vorteil sein kann. Als positiv erachte
ich auch, dass ein bestehendes System in der Schweiz, APDRG, bereits seit Jahren
(bald flächendeckend im Unfallversicherungsbereich und in einigen Kantonen
zur Globalbudgetierung) weiterentwickelt und zunehmend helvetisiert wurde. Dies
kann erste grobe Fehler wie in den Anfangszeiten in Deutschland, schon von vorne
herein eingrenzen.
Als negativ empfinde ich, dass der Entscheidungsprozess zur Einführung
dieser DRGs lange - und für meinen Geschmack zu lange - dauert und dass
man wesentliche Rahmenbedingungen eher am Rande diskutiert.
Nehmen wir als Beispiel den Risikoausgleich unter den Krankenversicherern. Eine
sinnvolle und leistungsorientierte Abgeltung von stationären Spitalleistungen
führt zu einer nicht mehr kontrollierbaren Mehrbelastung der Krankenversicherer
mit mehr morbiden Versicherten.
Diese Argumentation resultiert aus der Erfahrung mit leistungsorientierten Abgeltungen,
deren Steuerung und Gegensteuerung. Denn diese Finanzierungsform bedingt: Je
kränker der Patient, desto höher die Abgeltung - und umso kranker
die Versicherer?
Persönlich stellt sich mir die Frage inwieweit ein förderalistisches
System mit de facto 26 unterschiedlichen Gesundheitssystemen ein einheitliches
Abrechnungssystem in vernünftiger Frist wird umsetzen können.
In einem einheitlichen und schweizweit eingeführten "Swiss-DRG"
ist das Ziel für ein überregionales Benchmark auf jeden Fall anzustreben.
Die Qualität des Abrechnungssystems wird davon abhängen, ob in allen
kantonalen Systemen dies mit den gleichen Regeln umgesetzt werden kann.
Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen"
(GPI), Nr. 3/2007.
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