SGGP - SSPS
Mitgliederversammlung der SGGP
Die diesjährige gutbesuchte Mitgliederversammlung der SGGP fand am 4. Juni in Bern statt. Neben den ordentlichen Traktanden war eine Anpassung der Statuten notwendig, welche die Verlegung des Sitzes von Zürich nach Bern sowie eine Anpassung der Jahresbeiträge für Kollektiv und Gönnermitglieder vorsah. Die Defizite der beiden letzten Jahre waren Gegenstand der lebhaften Diskussion, wobei vom Geschäftsführer aufgezeigt wurde, welche Schritte eingeleitet (Plattform, verstärktes Marketing und Sponsoring) sind, um das Defizit 2009 deutlich zu reduzieren bzw. in den Folgejahren ein ausgeglichenes Ergebnis zu realisieren. Die Mitglieder sind den Anträgen gefolgt, haben diese unterstützt und den Vorstand entlastet. Willy Oggier, der seine Tätigkeit als Mitglied des Vorstands beendet hat und die GPI bis Ende 2009 als Chefredaktor verantwortet, wurde für sein jahrelanges Engagement in verschiedenen Funktionen für die SGGP herzlich gedankt. Damit wird für das kommende Jahr eine neue Chefredaktion für die GPI gesucht (vgl. dem Versand der GPI beiliegendes Inserat bzw. www.sggp.ch).
Blockade im Gesundheitswesen
Kurztagung Bern 4.6.2009
In seinem Eintrittsreferat hat Bundesrat Pascal Couchepin die Rolle der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen beleuchtet. Er wies auf seine Initiative im Jahr 2003, welche im Parlament gescheitert sind. Die seither erfolgten Reformen wie die neue Spitalfinanzierung werden vieles verändern. Den Reformstau ortet er im Parlament, wo er gerne die einzelnen Themen mit Fristen zur Behandlung verbinden würde, sowie bei den Kantonen, welche ein wichtiger und steuernder Player sind, ihre Verantwortung aber nicht immer wahr nehmen. Die Interessengruppen schliesslich würden vieles bremsen und blockieren. Heidi Hanselmann, Regierungsrätin St. Gallen zeigte auf, welche Schritte ihr Kanton unternommen hat, um seine Kostenverantwortung zu tragen. Sie wies auf den von den Kantonen benötigten Zeitbedarf für die Umsetzung von neuen Massnahmen hin. Sie störte sich an einer Kostensteigerung im Gesundheitswesen von knapp 4% und einer Prämienhausse von angekündigten 15%. Jacques de Haller stellte als Präsident der FMH die Tabouthemen der Ärzteschaft vor (u.a. die freie Beziehung zu den Patienten), will sich aber mit allen relevanten Akteuren in bilateralen Gesprächen für Reformen engagieren. Die Interessenvertretung sei legitim und nützlich und blockiere keine Reformen. Peter Fischer als Vorsitzender der Direktion der Visana präsentierte verschiedene Ansätze zur Reform wie den ausschliesslichen Zugang zu Spezialisten und Spitälern über die Grundversorger, die monistische Spitalfinanzierung, eine Verbesserung des Risikoausgleichs und niedrigere Medikamentenpreise bzw. Direktverhandlungen darüber zwischen Industrie und Versicherern. - Ein Versicherungs- und nicht ein Kostenproblem herrsche – so die Diagnose von Bernhard Wegmüller, Direktor H+. Beim Risikoausgleich, Medikamenten, Mitteln und Gegenständen, Parallelimporten bei nicht regulierten Spitalpreisen, Swiss DRG Fallpauschalen und integrierten Versorgung ambulant/stationär sei künftig anzusetzen. Als stellvertretender Generalsekretär der Interpharma zeigte Heiner Sandmeier auf, wo und in welchem Ausmass die Pharmaindustrie Beiträge zur Kostensenkung geleistet habe. Im Interesse der langfristigen Finanzierbarkeit ist sie bereit, weiterzugehen (die konkreten Vorschläge wurden an der Tagung aufgezeigt), wenn auch die anderen Akteure das Ihre tun. Er wies auch darauf hin, dass die Industrie in der Schweiz mehr investiert und Arbeitsplätze schafft, als der gesamt Medikamentenumsatz beträgt.
Die folgende Diskussionsmöglichkeit wurde von den sehr zahlreich erschienenen Teilnehmenden (der Saal war überbelegt) stark genutzt und musste aus zeitlichen Gründen abgebrochen werden. Präsidentin und Nationalrätin Christine Egerszegi rundete den Anlass mit ihrer die Debatte bewertenden Zusammenfassung ab.
Ircheltagung Mittwoch, 1. Juli 2009
Wie jedes Jahr ist auch die diesjährige Tagung einem Pflegethema gewidmet: „Heraus aus dem Pflegenotstand“. Das Thema wird von verschiedenen ReferentInnen beleuchtet. Workshops bieten die Gelegenheit für thematische Vertiefungen. Die IT09 stellt die Frage, wie weit Pflegenotstand in der Schweiz bereits existiert oder zu erwarten ist und was zu tun ist, um ihn zu verhindern. Lösungsansätze sollen erarbeitet und konkrete Empfehlungen auf den verschiedenen Ebenen der Gesundheitspolitik formuliert werden. Das detaillierte Programm sowie die Anmelde-Möglichkeit finden Sie unter www.sggp.ch.
SGGP Stakeholder Plattform 2009
Die Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik (SGGP) bietet Organisationen im Gesundheitswesen eine neue Plattform an. Teilnehmer können wichtige gesundheitspolitische Diskussionen aktiv mitgestalten und ihre Haltung frühzeitig in die öffentliche Debatte tragen. Zu diesem Zweck wird 2009 ein Pilotprojekt zum Thema „Gesundheitsziele für die Schweiz“ durchgeführt. Die SGGP hat Organisationen, die sich in diese Diskussion einschalten möchten, zur Teilnahme eingeladen.
Breite Kreise sind sich darin einig, dass eine effektive und effiziente Prävention und Gesundheitsförderung von Bund, Kantonen, Städten und sowie privaten Akteuren zwingend einer besseren Koordination bedarf. Eine zentrale Stellung wird dabei die Formulierung von Gesundheitszielen für die Schweiz einnehmen. Die Diskussion darüber wird unabhängig vom Ausgang der laufenden Vernehmlassung zum neuen Präventionsgesetz fortschreiten. Das Pilotprojekt greift diese aktuelle Debatte auf und gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Erwartungen an die Formulierung von Gesundheitsförderungs- und Präventionszielen frühzeitig zu formulieren und einzubringen.
Die folgenden Fragen werden im Rahmen der Stakeholder-Plattform bearbeitet und beantwortet:
- Welche Erwartungen haben die Teilnehmenden an den nationalen Zielformulierungsprozess im Hinblick auf das Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz?
- Welches ist der Mehrwert von Gesundheitszielen gegenüber bisherigen Steuerungsinstrumenten in der Gesundheitspolitik?
- Wo sind die Möglichkeiten und Grenzen von Public-Private-Partnership in Bezug auf die Ziele der Gesundheitspolitik, in Prävention und Gesundheitsförderung?
- Welche Anreize braucht es (oder gibt es bereits), damit Industrie und Gewerbe, die NGOs und die Kantone die nationalen Gesundheitsziele mit einer gewissen Verbindlichkeit umsetzen? Wie kann eine Koordination stattfinden? Braucht es ein Controlling?
Die ersten Workshops sind durchgeführt und wir konnten spannenden Input von ReferentInnen erhalten. Der gegenseitige Austausch zum Thema war sehr wertvoll und konstruktiv.
Die Ergebnisse unserer Plattform 2009 möchten wir Ihnen am 20. Oktober 2009 im Rahmen einer Tagung vorstellen und gleichzeitig in der Schriftenreihe publizieren.
Band 96 der SGGP-Schriftenreihe:
Autoren: Peter Rüesch, Laila Burla, René Schaffert, Maja Mylaeus
Qualitätsindikatoren der ambulanten Pflege (Spitex) in der Schweiz
Der Bedarf an ambulanter Pflege zu Hause nimmt laufend zu. Diese Entwicklung rückt auch Fragen der Qualität in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der Spitex Verband Schweiz veranlasste deshalb eine Studie zur Auswahl, wissenschaftlichen Validierung und Erprobung von Qualitätsindikatoren für die ambulante Pflege. Als Grundlage diente die schweizerische Version des RAI-HC (Resident Assessment Instrument Home Care), eines international entwickelten Bedarfsabklärungsinstruments.
Die Studie liefert u. a. ein Kernset von 19 Qualitätsindikatoren, die relevante Aspekte der ambulanten Pflege sowohl wissenschaftlich zuverlässig abbilden als auch praxistauglich erfassen. Ausserdem werden Empfehlungen für die Umsetzung von Qualitätsmessungen in der Praxis formuliert.
Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 2/2009.