GPI Nr. 2/2008

 

 

 

 


 


5 Fragen Michael Egli, Ökonom und Gründer des eHealthcare-Kongresses - 5 Questions à Michael Egli, économiste et fondateur du congrés eHealthcare


1. Herr Egli, wer sind Sie?

Ich bin verheiratet und habe drei junge Töchter, wohnhaft in Beromünster LU. Nach dem Studium in St. Gallen war ich über einige Jahre in der Pharmabranche und im Bereich Managed Care tätig. Seit dem Jahr 1999 bin ich selbständig.


2. Sie engagieren sich seit vielen Jahren im Bereich eHealthcare. Was motiviert Sie dazu?

Was für die Gesellschaft generell gilt, gilt auch für das Gesundheitswesen. Es ist der Shift in das Informationszeitalter. Was vielen lange Zeit Angst gemacht hat, ist heute Normalität – oder ich könnte es anders ausdrücken. Schon längstens verwenden Tausende von Senioren das Internet regelmässig und aktiv. Währenddem im Gesundheitswesen noch viele Prozesse so organisiert sind, als ob die Technologie gar nicht bereit stehen würde. Doch der Weg ist vorgezeichnet und er wird beschritten werden. Unser Gesundheitswesen ist jedoch nicht für schnelle Lösungen bekannt und konzipiert.


3. Vor kurzem haben Sie zusammen mit drei anderen Herausgebern das Handbuch "Gesundheitswesen Schweiz im Umbruch" veröffentlicht. Betrachtet man dieses Handbuch, so fällt auf, dass einige aktive SGGP-Mitglieder darin als Autoren auftreten. Ist dies zufällig oder beabsichtigt?

Ich denke, dies zeigt, wie viele engagierte und kompetente Personen sich in der SGGP versammelt haben. Es freut uns sehr, dass wir gegen 50 Autorinnen und Autoren für das Projekt gewinnen konnten. Das Handbuch ist nun drei Monate auf dem Markt und die Rückmeldungen sind sehr positiv. Ab Ende 2008 werden die ersten Update-Kapitel ausgeliefert werden.


4. Sie stecken mitten in den Vorbereitungen zum nächsten eHealthcare-Kongress vom 24./ 25. September 2008 in Nottwil. Diesmal soll die eHealthcare-Entwicklung im gesundheitspolitischen Umfeld stärker beleuchtet werden. Warum?

eHealth findet nicht im leeren Raum statt – sondern ist eingebettet in den Umbruch im Gesundheitswesen. Deshalb ist dieser Umbruch auch ein Thema – jedoch immer mit Fokus eHealth. Es freut uns, dass bereits 80 Top-Führungskräfte ihr Mitwirken am neuen Healthcare Leader Forum zugesagt haben.


5. Wenn Sie die Gesundheitspolitik in der Schweiz ansehen, was gefällt Ihnen, was missfällt Ihnen?
Es wird viel gejammert über das System. Es ist ein Leiden auf hohem Niveau. Ich bin insgesamt glücklich, in so einem System eingebettet sein zu dürfen. Nicht mal so selbstverständlich. Insgesamt wünschte ich mir, dass die Akteure etwas mehr über ihren Tellerrand (sprich eigene Interessen) schauen würden. Ein Aspekt der Zukunft ist die Vernetzung. Wer sich als einzelnen Akteur sieht, dessen Tage sind gezählt. Hier liegt ein ungeheures Potenzial für Verbesserung und Innovation. Und dann stört mich insbesondere die Abhängigkeit unserer Bundesparlamentarier. Es ist schädlich für die Weiterentwicklung der Politik, dass die führenden Gesundheitspolitiker auf Bundesebene diesen Titel nicht verdienen, sondern entweder Pharmapolitiker, Kassenpolitiker oder Spitalpolitiker sind. Diese Personen sind als Volksvertreter gewählt. Ich möchte hier einigen Politikern ins Gewissen reden. Die Interessen sind durch die Verbände schon genug gewahrt. Die Politiker sollten sich am Gesamtwohl und Gesamtnutzen des Gesundheitswesens für ihre Wähler orientieren.

Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 2/2008.