GPI Nr. 2/2007

 

 

 

 


 


Einzelne Länder - Divers Pays


Deutschland - Allemagne

Der Grundsatz der finanziellen Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung
Nils Schaks legt diese verfassungs- und sozialrechtliche Untersuchung vor (Duncker & Humblot, ISBN 978-3-428-12406-0, 191 Seiten, 56 Euro). Der Autor untersucht den vom Bundesverfassungsgericht entwickelten Grundsatz. Anschliessend setzt er sich mit den beiden zentralen Thesen des Gerichts auseinander. Er kommt zum Ergebnis, dass der Grundsatz der finanziellen Stabilität der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht überragend wichtig sei. Es handle sich um einen bloss finanziellen/ fiskalischen Belang, der keinen Verfassungsrang geniesse.

Finanzreform in der gesetzlichen Krankenversicherung und Zukunft des Risikostrukturausgleichs
Rainer Pitschas (Hrsg.) hat diesen Sammelband herausgegeben (Verlag Peter Lang, ISBN 978-3-631-56073-0, 50 Franken). Hier kann man beispielsweise im Beitrag von Josef Hecken (Seite 21) nachlesen, dass ein wirksamer Beitrag zur Deregulierung darin bestünde, genau das aufzulösen, was Bundesrat Couchepin in der Schweiz einführen will, nämlich die Verknüpfung des Risikostrukturausgleichs mit den Disease Management Programmen.

Polikliniken in der SBZ/ DDR
Heike Krumbiegel beschreibt in diesem interessanten Buch Konzeption und Umsetzung öffentlicher poliklinischer Einrichtungen unter besonderer Berücksichtigung Brandenburgs (VAS-Verlag, ISBN 3-88864-426-7, 29.80 Euro). Das Werk verdient auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil es nicht nur sehr ausführlich auf 534 Seiten dokumentiert, sondern weil das Thema der Medizinischen Versorgungszentren in (West-)Deutschland nach den Worten der amtierenden Bundes-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt "ein bedeutendes Stück Ostdeutschland in den Westen exportiert". Die Arbeit ist mit einer Vielzahl aufschlussreicher Daten und Fakten versehen.


Schweiz - Suisse

Gesundheitswesen Schweiz 2007-2009
Gerhard Kocher und Willy Oggier (Hrsg.) haben die dritte, aktualisierte Ausgabe dieses inzwischen zu einem Standardwerk des schweizerischen Gesundheitswesens gewordenen Buchs publiziert (Verlag Hans Huber, ISBN 978-3-456-84422-0, 39.90 Franken). Das schweizerische Gesundheitswesen ist komplex und im Umbruch begriffen. Reformversuche und Sparmassnahmen jagen sich, oft ohne klare Ziele und ohne Koordination mit den anderen Sektoren. Gesundheitspolitik ist zu einem heiss umstrittenen Politikbereich geworden. In einer solchen Situation ist Transparenz wichtig. Dieses Werk gibt eine aktuelle und sachliche Gesamtübersicht in 37 Kapiteln, verfasst von 49 Autorinnen und Autoren. Besonderen Wert legen die beiden Herausgeber auf möglichst hohe Objektivität, aussagekräftige Daten und auf gute Lesbarkeit.
Welche praktische Bedeutung das Buch für ihn selbst hat, beschreibt der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren-Konferenz, Herr Regierungsrat Markus Dürr, in seinem sehr persönlich gehaltenen Geleitwort.

Offre et recours aux soins médicaux ambulatoires en Suisse
Jaccard Ruedin Hélène/ Roth Maik/ Bétrisey Carine/ Marzo Nicola/ Busato André, sind die Autoren dieses Document de travail 22 de l'Observatoire suisse de la santé (ISBN 978-3-907872-36-9, 20 Franken). Erstmals wurde für die Schweiz die regionale Verteilung der ambulant tätigen Ärzte mit eigener Praxis untersucht und mit der Nachfrage nach ihren Leistungen verglichen. Berücksichtigt wurde dabei der Beschäftigungsgrad der Ärzte. Die Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums kommt zum Schluss, dass die ambulante Versorgung derzeit in allen Regionen gewährleistet ist. Vor allem in ländlichen Gebieten könnte es aber in Zukunft zu Engpässen kommen. Gemäss der Studie gab es im Jahr 2004 im schweizerischen Durchschnitt auf 10'000 Einwohner 9.4 Hausärzte. Berücksichtigt man den Beschäftigungsgrad, dann lag der Durchschnitt bei 6.3 vollzeittätigen Hausärzten. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, sowie zwischen dem Westen und dem Osten der Schweiz bzgl. Ärztedichte, Beschäftigungsgrad und Inanspruchnahme der Leistungen. Im Jahr 2004 besuchten Bewohner der Schweiz im Durchschnitt drei Mal den Hausarzt. In der Ostschweiz sind Hausarztbesuche bis zu viermal häufiger als in gewissen westschweizerischen Regionen. Am wenigsten in Anspruch genommen werden Hausärzte in den Grossstädten.

Stärkung der Grundversorgung
Unter diesem Titel ist der Bericht zur 8. Arbeitstagung der Nationalen Gesundheitspolitik erschienen. Sämtliche Referate sind auf der Homepage www.nationalegesundheit.ch unter der Rubrik "Nationale Tagung/ Basel 2006" aufgeschaltet. Dargestellt sind die Plenumsreferate von Regierungsrat Markus Dürr, Prof. Gianfranco Domenighetti, Werner Bauer und Stefan Spycher sowie die Aktivitiäten in den Workshops (Notfallkonzepte in der Schweiz. Welche Weiterbildung für welchen Hausarzt? Hausarztmedizin der Zukunft) und die Schlusskommentare.

Bewegung Richtung Markt
Claude Longchamp u. a. haben unter diesem Titel den Schlussbericht zum Gesundheitsmonitor 2006 verfasst (zu beziehen bei: Interpharma, Postfach, Petersgraben 35, 4003 Basel). Die Autoren formulieren 10 Thesen und 10 Trends aus 10 Jahren Gesundheitsmonitor. Die Thesen: Das Gesundheitsempfinden in der Schweiz leidet unverändert, vor allem in den unteren Schichten. Die finanziellen Belastungen durch die Krankenkassen sind hoch, aber nicht mehr steigend. Die Zustimmung zu spezifischeren Versicherungsformen nimmt zu, bleibt aber schichtabhängig und minderheitlich. Die Akzeptanz des KVG schwindet, vor allem im liberalkonservativen politischen Lager und in der Nordostschweiz. Mehr Markt im Angebot nimmt als einzige Wertpräferenz konstant zu. Mehr Eigenverantwortung sollte mit einem Bonus-Malus-System gesteuert werden. Marktgängige Kontrollen des Angebotes gewinnen an Zustimmung, nicht aber drastische Leistungsbegrenzungen. Produkte mit Schweizer Qualitätsgarantie und Generika sind beliebt. Die Kritik an den Gewinnen der Pharmabranche durch hohe Medikamentenpreise wächst, wenn auch nur bei Minderheiten. Das leistungsbezogene Image der Pharmabranche ist gut, ihre diesbezüglichen Botschaften werden in zunehmendem Masse verstanden

Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 2/2007.