GPI Nr. 3/2004

 

 

 

 


 


5 Fragen an Christine Egerszegi-Obrist, Nationalrätin und Präsidentin SGGP

1. Christine Egerszegi, wer sind Sie?
Ich bin eine Frau, die das Gesundheitswesen kennt als Mutter, Patientin, Pflegende, Mitgestaltende, Referentin, Verbandspräsidentin und Verantwortungsträgerin.

2. Sie sind an der letzten Generalversammlung der SGGP zur neuen Präsidentin gewählt worden. Was hat Sie überhaupt dazu bewogen, für diese Funktion zu kandidieren?
Seit 9 Jahren bemühe ich mich als Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit die verschiedenen Gesundheitspolitiken der Ärzte, der Pflegenden, der Kantone, der Krankenversicherer und des Medikamentenmarktes in einem KVG zu fassen, das allen Versicherten eine gute Versorgung garantiert und niemanden, weder mit Kosten noch Verpflichtungen, überfordert. Dabei stört mich oft, dass es keine eigentliche nationale Gesundheitspolitik gibt. Die SGGP sehe ich als aktives Forum, das diese Lücke schliessen könnte. Dieser Herausforderung möchte ich mich stellen.

3. Erstmals in der Geschichte der SGGP werden eine Frau Präsidentin und mit Anna Sax auch eine Frau Zentralsekretärin sein. Glauben Sie, dass dies etwas Grundsätzliches bei den SGGP-Aktivitäten verändern wird?
Fragen Sie mich das in zwei Jahren. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Anna Sax.

4. Wenn Sie im schweizerischen Gesundheitswesen drei Dinge eigenmächtig verändern könnten, was würden Sie tun?
Ich würde

  • schweizweit eine einheitliche Praxis festlegen bei der Spitalplanung, der Erstellung von Spitallisten, der Führung von medizinischen Kompetenzzentren und für die Bewilligung von hochspezialisierten Geräten.
  • Patientinnen und Patienten bewusst Vorteile verschaffen, wenn sie sich für ein Managed-Care-Modell entscheiden: Dort soll der Selbsthalt höchstens 10% betragen und nur dort sollen komplementärmedizinische oder präventive Leistungen über die Krankenkasse der Grundversicherung bezahlt werden.
  • Alle Gelder, die in Millionenhöhe für Präventionsaufgaben zur Verfügung stehen (aus Tabakfonds, Alkoholzehntel, BAG, kantonale Mittel, Lungenligen, Krankenversichertenabgabe etc.), in einen Topf geben und für geordnete, aufeinander abgestimmte Präventionsprojekte in Bund, Kantonen und Gemeinden Leistungsaufträge vergeben.

5. Wenn Sie die Gesundheitspolitik in der Schweiz ansehen, was gefällt Ihnen, was missfällt Ihnen?

Mir gefällt an unserer Gesundheitspolitik:

  • Die Verankerung der Wahlfreiheit für Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten
  • Die Solidarität zu Chronischkranken und Pflegebedürftigen
  • Die Bereitschaft zur Förderung von neuen medizinischen Erkenntnissen, die dann auch in der Grundversicherung nutzbar sind.

Mir missfällt an unserer Gesundheitspolitik

  • Der prestigeträchtige Kantönligeist, der häufig weitergehende, bessere Lösungen verhindert.
  • Der grosse Einfluss von Lobbygruppen, die vor Verhandlungsabschluss mit Referenden drohen, wenn sie sich nicht durchsetzen können.
  • Dass wir das Gesundheitswesen nur über die Kosten definieren und nicht auch über Dienstleistungen, die erbracht und bezahlt werden.

Quelle: "Gesundheitspolitische Informationen" (GPI), Nr. 3/2004.